Chemie ist immer und überall

Artikel in der Ostseezeitung. Zeitung in der Schule. Donnerstag, 30. Oktober 2014

Graal-Müritz – Kay Ruttloff ist Chemie-Lehrer an der Greenhouse School in Graal-Müritz. Der 35-jährige Rostocker studierte in derHansestadt und ist seit sieben Jahren Lehrer. Im OZ-Gespräch sagt er unter anderem, was ihn an Chemie fasziniert.

OSTSEE-ZEITUNG: Haben Sie ein chemisches Lieblingselement?

Kay Ruttloff: Ich liebe den Wasserstoff. Er ist zum einen zwar das kleinste Element, ist aber auf der anderen Seite in höchstemMaße reaktiv. Man denke da an das Unglück des Luftschiffes ,Hindenburg’ 1937. Bei genauer Kenntnis kann man sich solche Eigenschaften zunutze machen. Hier sei die Brennstoffzelle erwähnt, von der in Zukunft noch eineMenge zu hören sein wird. Das Periodensystem der Elemente zählt mit seiner Logik undVerständlichkeit zu den erfreulichsten Dingen, die je gefunden wurden.

OZ: Hat Chemie viel mit unserem Alltag zu tun?

Ruttloff: Sauerstoff wird ein- und Kohlenstoffdioxid ausgeatmet. Im Körper reagiert Sauerstoff
mit körpereigenen Stoffen über Umwege zu Kohlenstoffdioxid. Dabei wird die Energie, die zum Leben notwendig ist, erzeugt. Diesen Vorgang nennt man Oxidation. Weitere Beispiele? Die Farben unserer Kleidung, der Rost am Fahrrad, das Shampoo am Morgen, der laufende Motor, der Verdauungsvorgang – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Chemie ist immer und überall.

OZ: Was fesselt Sie an Chemie?

Ruttloff: Die Logik. Ist man einmal eingestiegen und hat ein paar wenige Grundprinzipien verinnerlicht, kommt der Rest von allein. Alles, was man benötigt, ist das Periodensystem der Elemente. Aus diesem System lässt sich so viel ableiten. Das ist genial.

OZ: Haben Sie Tricks, um junge Leute in das teilweise ungeliebte Fach mehr hineinzuziehen?

Ruttloff: Chemie besticht durch mehrere Aspekte. Man kann mit Hilfe von Experimenten, die dem Alltag nachempfunden sind, anschaulich unterrichten und begeistern. Der zweite Pluspunkt ist die Logik. Alles an der Chemie baut aufeinander und auf wenigen Grundprinzipien auf. Sind sie verstanden, kommt oft der ,Klick’ und vieles ergibt einen Sinn. Das ist oft so motivierend, dass die Schüler von selbst bei der Sache bleiben. Der Weg dahin kann beschwerlich sein. Und hat man den Anschluss verloren, ergibt die Chemie wenig Sinn und wird mühsam. Darin sehe ich den Hauptgrund für den schlechten Ruf der Chemie.

Interview: Klaus Amberger

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