Gründersim – Planspiel und Unternehmergespräch in Graal-Müritz

Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) wird das diesjährige Pilot-Projekt in den neuen Bundesländern durchgeführt. Anfang Juli 2015 fand „Gründersim“ bereits zum neunten Mal statt – diesmal in der Greenhouse School in Graal-Müritz.

Ein packendes Finale und zwei spannende Gesprächsrunden
1. Tag: Das Planspiel
Zwei Klassen aus unterschiedlichen Jahrgängen mit mehr als 30 Schülerinnen und Schüler konnten die Schulleiterin Frau Pedersen und der stellv. Schulleiter Herr Kampf für das Projekt begeistern. In acht Teams wurde ein „eigener neuer Markt“ geschaffen, auf dem es galt, sich mit den besten Elektro-Mountainbikes zu wettbewerbsfähigen Preisen gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Das Planspiel ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die Chance, in ihrer Schule in die Rolle einer Unternehmerin bzw. eines Unternehmers zu schlüpfen und im Team unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Dabei müssen die Teams ihre Produkte vertreiben und ihren Betrieb erfolgreich durch die Höhen und Tiefen der Konjunktur führen. Die Entscheidungen der Teams wirken sich dabei direkt aufeinander aus.
Die Komplexität des Planspiels steigt mit zunehmender Spieldauer, im Laufe derer verschiedene wirtschaftliche Themen abgedeckt werden: Von Beginn an werden von den Jugendlichen Entscheidungen über den Preis der E-Mountainbikes verlangt, darüber hinaus müssen sie das Budget für Werbung und die F&E-Abteilung festlegen sowie Vertriebsmitarbeiter einstellen oder auch entlassen. Später müssen die Teams zusätzlich festlegen, welche Mengen an Bauteilen sie für ihre Produktion kaufen. Nach jeder Periode (einem Jahr im Spielverlauf) bekommen alle Teams gemeinsam Feedback vom Planspiel-Team.
Die erzielten Ergebnisse sowie die Entwicklung des vergangenen Jahres werden anhand von Schaubildern aus dem Spiel analysiert und es werden wirtschaftliche Zusammenhänge erläutert. Das Team „E-Crosser“, welches ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern bestand, wurde letztlich nach vier Perioden bei der Siegerehrung zum Gewinner von Gründersim Graal-Müritz 2015“ gekürt – mit dem besten Betriebsergebnis und den realistischsten Absatz-Planungs-Werten. Selbstverständlich war die Freude über den Hauptpreis, mobile Ladegeräte für Smartphones, sehr groß.
 2. Tag: Das Unternehmergespräch
Am zweiten Tag des Projektes wurden die im Planspiel gemachten Erfahrungen durch Realbegegnungen mit einer Unternehmerin und einem Unternehmer aus dem nahegelegenen Rostock ergänzt. Zu Gast waren Yvette Dinse von Kontor VII und Torsten Gebert von der Future TV GmbH. Sie standen den Schülern für zwei Stunden Rede und Antwort, berichteten aus ihrem Alltag und erläuterten wie es sich anfühlt, sein eigener Chef zu sein.
Bei Kooperationen werden verschiedene Kompetenzen gebündelt
Kooperationen sind überaus wichtig für Unternehmerinnen wie Yvette Dinse. Bei Kontor VII in Rostock bearbeitet sie gemeinsam mit einer Mitarbeiterin vornehmlich öffentlich ausgeschriebene Projekte in den Bereichen Existenzgründung, Unternehmensentwicklung und Nachfolge – und da sind Zusammenarbeiten mit anderen kleinen Unternehmen und Selbständigen quasi unverzichtbar. Wie die gelernte Wirtschaftskauffrau mit abgeschlossenem Wirtschaftsstudium dazu kam? „Ich wurde seinerzeit gefragt, ob ich eine Agentur mitaufbauen wollte, was nach der Wende ein sehr, sehr spannender Bereich und noch nicht allgegenwärtig war.“ Durch die Arbeit in einem Bildungsinstitut lernte Yvette Dinse ihr Handwerk, bis sie schließlich die Chance ergriff und in die Selbständigkeit wechselte. Somit wurde der Unternehmensgeist in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin gefördert.
Glücksmomente erfährt die gebürtige Rostockerin immer dann, „wenn etwas, dass ich mir vorgenommen habe, funktioniert.“ Oft seien es nicht die „großen, sondern die alltäglichen Entscheidungen, die einen wirklich herausfordern.“ Neben ihrer Tätigkeit als Unternehmerin, erfährt Yvette Dinse diese positiven Erlebnisse auch als ehrenamtliche Präsidentin der „Frauen in die Wirtschaft“ in Rostock sowie bei einem Mentoring-Programm für Gründungen in Mecklenburg-Vorpommern. Bei all dieser Unternehmergeist-Kompetenz kann man nur sagen: Hut ab!
Man muss Veränderungen auch mitmachen!
„Kennt ihr noch Disketten? Oder gar Kassetten?“ Die Message von Torsten Gebert, Gründer und Geschäftsführer der Future TV GmbH, ist eindeutig: Man sollte stets am Zahn der Zeit bleiben und sich nicht der Zukunft und neuen Technologien verschließen. Der Selfmade-Unternehmer, der mittlerweile rund 40 Mitarbeiter in mehreren Städten Deutschlands beschäftigt, muss es wissen. Bereits in jungen Jahren, unmittelbar nach dem abgeschlossenen Informatik-Studium, gründete er gemeinsam mit Kommilitonen sein erstes (von mehreren) Unternehmen – das damals entwickelte Klassen-Software-System wird übrigens noch heute benutzt.
Um das Jahr 2007 jedoch wollte Herr Gebert nochmals etwas Neues versuchen. Man trennte sich im Guten und der Unternehmer startete mit der Future TV GmbH in einer aufstrebenden und spannenden Branche, die damals jedoch noch „in den Kinderschuhen steckte“. Mit der Produktion und Schaltung von Werbe-Videos, der Begleitung von Sport-Ereignissen sowie verschiedenen weiteren Video-Portalen (von Finanz-Nachrichten bis hin zu Tier-Dokumentationen) läuft es seither überaus erfolgreich für den Vorbild-Unternehmer.
Ob er dennoch etwas rückgängig machen würde, wenn er es denn könnte? „Auf keinen Fall. Auch wenn Ich auch Entscheidungen getroffen habe, die in der Folge nicht das zur Konsequenz hatten, was ich mir erhofft hatte.“ Die Zuversicht und der Optimismus von Herrn Gebert kommen gut bei den Schülern an – man wird sehen, wie viele von ihnen sich einst in die Selbständigkeit begeben werden.

 gruender


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