Tiergestützte Pädagogik an der Greenhouse School

Mehr Freude und Motivation im Schulalltag – Experten sind sich schon lange einig, dass hierin der Schlüssel für erfolgreiches Lernen liegt. Das junge Fachgebiet „tiergestützte Pädagogik“, in dem Tiere eine besondere Rolle einnehmen, rückt dabei zunehmend ins Blickfeld. An der Greenhouse School in Graal-Müritz wird diese schon seit einigen Jahren praktiziert. Hundetrainer Jörg Vogelgesang erklärt, wie das aussieht.

Frage: In der Greenhouse School trifft man nicht nur Schüler und Lehrer, sondern auch Hunde an.

Schäferhund-Rentner Gun, die beiden Dobermänner Faustus und Goa und der fast vierjährige Dalmatiner Pit sind die vier Hunde, mit denen wir hier an unserer Schule, aber auch an anderen Bildungseinrichtungen arbeiten. Zuhause sind sie bei mir und der Geschäftsführerin.

Frage: Was machen diese Hunde an der Schule?

An unserer Schule gibt es unterschiedliche Projekte. Eines der Projekte ist das feste Unterrichtsfach „Hundeschule“ in den Klassenstufen 5 und 6, in dem die Kinder den Umgang mit Hunden erlernen. Die Entwicklung von Selbstkompetenz und soziales Lernen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Schüler lernen sich zurückzunehmen, ruhig zu sein, still zu sitzen oder zu warten bis sie dran sind Zeit mit dem Schulhund verbringen zu dürfen und wenn sie dran waren, weiter ruhig zu bleiben, damit andere auch die Chance haben. In höheren Klassen können die Schüler das als Wahlpflichtfach zusätzlich wählen.

Auch im Fachunterricht werden die Hunde eingesetzt. Erst kürzlich unterstützten sie den Deutschunterricht in der 5. Klasse. In der Unterrichtseinheit „Beschreibung“ verfassten die Kinder eine Vermisstenmeldung. Die Hunde dienten hierbei der lebendigen Veranschaulichung. In anderen Sprachen, in Biologie und im Kunstunterricht sind die Hunde ebenfalls eingebunden.

Des Weiteren besteht das offene Angebot „Hundesprechstunde“. In der Zeit haben die Kinder die Hunde für sich allein und können ihnen ihre Sorgen und Ängste erzählen. Der Vorteil ist, dass der Hund sich alles anhört, ohne es zu kommentieren. Hunde haben ein besonderes Gespür. Sie spenden Trost, wenn ab und zu auch mal ein Tränchen fließt. Haben die Kinder erst einmal davon erzählt, was sie bedrückt, sind sie eher bereit, es auch ein weiteres Mal einem Menschen zu erzählen.

Frage: Was können Hunde, was Lehrer nicht können?

Hunde können Verhaltensweisen beeinflussen, die ein Mensch so nicht vermittelt bekommt. So lernen die Kinder ruhig zu sein, wenn der Hund den Klassenraum betritt. Anfangs ist es für sie gar nicht so einfach. Aber sie bekommen es relativ schnell hin. Sollten sich einzelne Schüler nicht daran halten, entsteht schnell eine Gruppendynamik, die für Ruhe sorgt. Genauso ist es mit der Sauberkeit im Klassenraum. Die Kinder wollen die Anwesenheit des Hundes, doch das ist an Regeln gebunden.

Frage: Welche Voraussetzungen bringen die Schulhunde mit? Haben sie eine spezielle Ausbildung?

Die Ausbildung ist sehr umfangreich und speziell. Zu berücksichtigen ist, dass Hunde immer noch Raubtiere sind. Die Eltern vertrauen uns ihre Kinder an und ich nehme diese riesige Verantwortung sehr ernst. Die Hunde müssen daher sehr gehorsam und ausgesprochen ausgeglichen sein, sodass sie auch bei Krach und extremen Herausforderungen nicht überfordert sind. Ein Schulhund ist speziell dafür ausgesucht und davon gibt es nur wenige.

Jeder der von uns eingesetzten Hunde hat darüber hinaus noch eine Spezialisierung. So sind Goa und Pit Spezialisten in der Leinenführung und muntern die Kinder in der Hundesprechstunde durch Kuscheln und Spielen auf. Gun hat nicht nur eine Ausbildung zum Betäubungsmittelspürhund, sondern ist zudem noch ein hervorragender Torwart.

Frage: Wie reagieren die Schüler auf die Hunde? Gibt es Schüler, die Angst haben?

Die meisten Schüler freuen sich auf die Hunde, wollen sie unbedingt im Unterricht dabeihaben. Es ist schön zu sehen, welche Talente sich hier im selbstsicheren Umgang mit Hunden zeigen. Einige sind dabei richtig cool.

Bei ängstlichen Schülern verfliegt die Angst bereits am ersten Tag, wenn sie sehen, dass die anderen auch entspannt sind. Unsere Hunde sind darauf ausgebildet, die Zeichen dafür zu erkennen. Besonders Faustus ist sehr sensibel. An seinem Verhalten erkenne ich, wer Vorbehalte hat. Diese Schüler werden einfach von ihm ignoriert.

Frage: Werden die Schüler nicht abgelenkt, wenn die Hunde im Unterricht im Klassenraum sind?

Den normalen Fachunterricht begleiten die Hunde nur nach Absprache mit den Lehrern. Mittlerweile ist es hier so normal geworden, dass sie eher für Ruhe als für Ablenkung sorgen. Wie gesagt, die Schüler müssen sich ihre Anwesenheit durch Einhalten von Regeln verdienen.

Frage: Nach dem Ansatz der tiergestützten Pädagogik sollen Tiere Freude und Erfolg ins Lernen bringen. Welche Effekte sind hier zu beobachten?

Auf jeden Fall haben wir ganz, ganz viele Schüler, die viel lieber zur Schule gehen und auch in den Hunden Freunde finden. Von der fünften bis zur zwölften Klasse freuen sich die Schüler, wenn sie mit einem Hund kuscheln können. Sie geben ganz viel zurück. Auf der anderen Seite lernen die Kinder durch den Umgang mit Hunden Disziplin und Konsequenz.

Frage: Wie ist die Idee Schulhunde in der Greenhouse School zu haben eigentlich entstanden?

Bereits vor sechs Jahren gab es eine Assistenzhundeausbilderin, die mit unseren Schülern gearbeitet hat. Nachdem sie sich kurzfristig zurückgezogen hat und die Kinder den Hund vermissten, bin ich eingesprungen und habe die Wahlpflichtkurse und das offene Angebot übernommen. Nach einem halben Jahr haben wir gemerkt, dass es einen viel größeren Bedarf gibt. Daraus wurde eine Vollzeitaufgabe für mich.

Frage: Wie wird der Einsatz der Schulhunde finanziert?

Finanziell gestützt wird das „Schulhundprojekt“ an der Greenhouse School durch außerschulische Angebote unserer Hundeschule. Graal-Müritz ist ein beliebter Urlaubsort. Urlaub mit Hund wird sehr stark nachgefragt. Für diese Gäste bieten wir in Kooperation mit dem hiesigen Hotelgewerbe Kurse an. Zum einen das Individualtraining, bei dem Hundebesitzer mit ihrem Vierbeiner vier Stunden an fünf Tagen aktiv werden können und Probleme wie Leinenziehen, Aggressionen gegenüber anderen Jagdgenossen oder andere Verhaltensauffälligkeiten bewältigen können. Außerdem bieten wir Seminare für fünf bis sechs Personen mit Hund an.


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