So ist doch oft der Alltag im Deutschunterricht. Die Schüler bekommen den Auftrag ein Buch zu lesen und anschließend gibt es Interpretationsaufgaben und Diskussionen über den Sinn und Unsinn des Werkes. Es muss ja gemacht werden, das sind die Vorgaben. Spaß an Literatur kommt leider bei den wenigsten auf. Mitunter findet sich dann doch die ein oder andere Komponente, die mit dem Leben der Jugendlichen zu tun hat. So wie bei Goethes Faust – der Tragödie erster Teil.
Und irgendwie ist es bei diesem Werk dann doch etwas Anderes – etwas Besonderes?!
Faust gehört in den Literaturkanon. Faust ist das bedeutendste deutsche Literaturstück der Welt. Faust hat Generationen geprägt und in Wallungen versetzt. Faust hat Wahrheiten ans Licht gebracht und in besonders philosophischer Weise auf die Welt geschaut. Faust zeigt uns unsere Zurückgeworfenheit auf unser Menschsein und unsere Unvollkommenheit.
Und Faust hat bestimmt auch immer für Fragezeichen im Kopf von Schülern gesorgt, die ihn lesen mussten und müssen. Gebundene und gereimte Sprache, Knittelverse, sprachliche Bilder und dann die große Frage, was der Dichter damit sagen wollte…
Aber Faust ist zeitgemäß – immer und für jeden und Faust ist für jeden verständlich. Das zeigte uns – der 10. Klasse – das Volkstheater Rostock in Koproduktion mit dem Mecklenburgischen Landestheater Parchim.
„Faust, Mephisto, Gretchen, Marthe Schwerdtlein, Wagner, Valentin, Hexe, Schüler, Lieschen, Direktor, Dichter, lustige Person, Erzengel, der Herr, Erdgeist, Chor der Engel, Chor der Weiber, Chor der Jünger, Spaziergänger aller Art, Geister, lustige Gesellen, Hexentiere, böser Geist, Stimme von oben, ein Pudel – alles Rollen aus Goethes „Faust“, die einem großen Theater die Beschäftigung eines ganzen Schauspielensembles garantieren. Das Mecklenburgische Landestheater Parchim hat diese Bürde einem einzigen Kollegen überlassen. In einer rasanten Stunde präsentiert Steffen Schlösser des Meisters größtes Werk mit Witz, Pathos und großer Nähe zum Zuschauer. Ein Muss nicht nur für Faust-Freaks!“ (Entnommen aus: http://www.volkstheater-rostock.de)
Das können wir nur bestätigen. Geschickt führt Steffen Schlösser durch das Werk. Kurzweilig ist diese Stunde rumgegangen. Steffen Schlösser zieht nicht nur das Publikum in seinen Bann, sondern – tatsächlich und real – auch auf die Bühne. So musste unser Schüler Malte als Wagner den Faust stützen, Jonas in die Rolle des Valentin springen und nach einem Gefecht fluchend auf der Bühne sterben. Luisa braute in der Hexenküche den Verjüngungstrank. Lars gab einen Studenten, dem Faust Tipps zum Aufreißen von der schönen Julia gibt und Kim wurde schließlich als Gretchen gerichtet/ gerettet. Schlösser war sich nicht zu schade auch jugendsprachlich und in Anlehnung an aktuelles Tagesgeschehen Bezüge zu diesem ach so wichtigen Text herzustellen.
Schließlich erfuhren wir auch die Intention, die hinter dieser Inszenierung steckt – Man versteht einfach kein Wort bei diesen alten Schinken. Man muss sich eine Geschichte dazu ausdenken, Wesentliches herausfiltern und erfahrbar machen. Nur so habe er – Steffen Schlösser – dann endlich auch den Faust verstanden.
Wunderbar – einzigartig – anders! „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!“ (Vers 1700)
Es irrt der Mensch, solang er strebt – wenn er denn strebt…
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https://greenhouse-school.de/2014/04/04/faustdertragoedieersterteil/



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